| Stangenwaffen sind Blankwaffen, üblicherweise für Fußkämpfer, die ihr wirksames Element in Form einer meist metallenen Spitze, Klinge oder Keule am Ende einer längeren, in der Regel zweihändig zu führenden Stange tragen. |
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- Stangenwaffen sind so alt wie die Menschheit; der Speer dürfte eine der ältesten Waffen überhaupt sein. Beim Jagen etwa ließen sich mit ihm wilde Tiere angreifen und gleichzeitig auf Abstand halten.
Als schließlich im antiken Griechenland vom 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr. mit der Phalanx überlegen disziplinierte und geordnete Infanterieeinheiten auftauchten, war deren Hauptwaffe die Sarissa, eine lange Lanze.
- Die römischen Legionen nutzten Speere wie die Hasta bis zum 1. Jahrhundert n. Chr. als Stoßwaffe, nach dem Übergang von der Phalanx- zur Manipulartaktik wurde diese Stangenwaffe durch den Wurfspeer (Pilum) verdrängt. Im Mittelalter lösten sich die großen Infanterieverbände auf, und im feudalen Abendland bildeten die gepanzerten Reiter, die Ritter, als relativ selbständige adelige Kämpfer den Schwerpunkt der Heere.
Diese führten zwar für den ersten Angriff in einer Schlacht die Lanze, die durchaus als Stangenwaffe gelten kann. Stangenwaffen für die Infanterie jedoch wurden damals lediglich von den Trossbuben, dem gemeinen Fußvolk, sowie von Bauernheeren verwendet.
Oftmals waren diese Waffen bloß umgebaute landwirtschaftliche Werkzeuge wie Sensen, lange Äxte, Dreschflegel und hakenförmige Erntemesser auf langen Stangen als Waffen gegen adlige Kavallerie.
Aus diesen improvisierten Kampfwerkzeugen einfacher Bauern entwickelte sich aber schließlich eine große Familie von unterschiedlichen Stangenwaffen von hoher Effektivität. Im 13. Jahrhundert waren es die flämischen Bürgerwehren, im 14. und 15. Jahrhundert die Schweizer, die sich erstmals wieder zu professionellen Infanteriverbänden zusammenschlossen.
Schweizer Bürger und später Schweizer Söldner vervollkommneten dabei den technischen und taktischen Umgang mit Stangenwaffen, vornehmlich mit der Hellebarde und der Pike.
- Für die Infanterie und auch für den militärischen Einzelkämpfer erwies sich die Stangenwaffe so als die effektivste Nahkampf- bzw. Blankwaffe überhaupt.
Versionen wie die Hellebarde, die Partisane oder die Glefe besaßen den Vorteil großer Reichweite und Flexibilität sowie effektiver Durchschlags-, Zug- und Stoßkraft.
Auf dem Schlachtfeld wurden diese Waffen taktisch großflächig eingesetzt, oft in Kombination mit überlangen Stangenwaffen, wie den mindestens 5 Meter langen Piken.
- Aber auch die Nachtwächter in den Städten, welche oft als Einzelkämpfer arbeiteten, waren meist mit Hellebarden ausgerüstet. Zu dieser Zeit fanden Seitenwaffen wie Schwerter, Säbel, Messer und Degen in militärischer Hinsicht nur als Zweitwaffe der Infanterie oder auch als Hauptwaffe der leichten Kavallerie Verwendung.
Ansonsten aber war die Seitenwaffe zwar das Statussymbol des Edelmannes, der berechtigt war, im Alltag eine Waffe zu tragen, die freilich nicht zu sperrig sein sollte; die weniger mythenumrankte Stangenwaffe aber war das effektive Werkzeug für den professionellen Kämpfer.
Dass Hellebarde, Partisane und Glefe aber in militärischen Kreisen ein ähnlich hohes Ansehen hatten wie das Schwert im zivilen Alltag des Adels, zeigt sich auch darin, dass Gardisten und unberittene (Unter-)Offiziere auch dann noch mit den Prunkversionen solcher Stangenwaffen ausgerüstet wurden, als deren Zeit als Hauptwaffe bereits abgelaufen war.
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- Das Ende der Stangenwaffen kam im 17. Jahrhundert, als die Feuerwaffen langsam alle früheren Waffen vom Schlachtfeld verdrängten.
Die Stangenwaffen hielten sich noch lange Zeit als zeremonielle Waffen wie z. B. die Hellebarden der Schweizergarde des Papstes oder als Rangabzeichen wie der lange Speer (Spontoon) der Unteroffiziere der britischen Armee bis in die Zeit Napoleons.
Ansonsten blieb die Stangenwaffe noch bis ins 19. Jahrhundert ein übliches Notbehelf für mangelhaft ausgerüstete Kämpfer, die etwa als Aufständische oder Belagerte keinen ausreichenden Zugang zu Feuerwaffen hatten, oder denen das Schießpulver ausging. Aus dem Waffenarsenal regulärer militärischer Mannschaften verschwand die Stangenwaffe jedoch im Verlaufe des 18. Jahrhunderts ganz.
- Der Speer (auch Wurfspieß) ist eine zu den Stangenwaffen zählende Wurf- und Stichwaffe und eine der ältesten der von Menschen verwendeten Kampf- und Jagdwaffen. An einer Stange, dem Schaft, ist eine Spitze (oft zweischneidige Klinge) aus unterschiedlichen Materialien (angespitzte Steine, Knochen, Eisen, Stahl) angebracht.
Speere waren üblicherweise als Wurfwaffen gedacht oder als Mehrzweckwaffen, die sowohl im Fern- als auch im Nahkampf eingesetzt wurden. Sie sind normalerweise kürzer und leichter als Spieße welche nicht geworfen werden.
- Ein Spieß (Pike - französisch piquer ‚stechen‘) ist eine historische Stichwaffe zu Jagd- und Kriegszwecken, die im Unterschied zum Speer nicht geworfen wird.
- Eine Lanze ist eine als Stoßwaffe gedachte Stangenwaffe, die im Normalfall über eine Spitze verfügt. Heutzutage werden darunter von der Kavallerie verwendete Spieße verstanden. Die Gesamtlänge beträgt meist zwischen zwei und dreieinhalb Meter, spezielle Lanzentypen erreichen aber eine Länge von bis zu acht Metern.
- Berdysch (russ., - dt. Stielaxt, Bartaxt) ist die russische Bezeichnung für eine langstielige Streitaxt mit großem halbmondförmigen Axtblatt, die in Skandinavie, Russland und Osteuropa ab dem späten Hochmittelalter Verwendung fand. Das Wort Berdysch sowie die engl., frz. und span.
Bezeichnung bardiche ist aus dem mittellateinischen barducium bzw. dt. Barte = (Wurf)axt, Beil abgeleitet. Die Berdysch mit ihrer 60 - 75 cm langen, ca. 3 kg schweren Axtklinge auf 1,30 - 1,80 m hohem Holzschaft war dazu gedacht, als Hieb- und Stichwaffe einerseits mit schwingenden Hieben die schwere Rüstung des Gegners zu durchschlagen, konnte aber auch wie eine Lanze stoßend eingesetzt werden.
Es gab Ausführungen mit zwei Befestigung der Klinge am Schaft - in der Mitte und am unteren Ende (Bild) - und mit nur einer in der Mitte der Klingenrückseite.
Im Spätmittelalter wurde die Berdysch zur bevorzugten Waffe der Palastgarden der russischen Fürsten. Während des 15. Jahrhunderts breitete sie sich auch in Schweden aus und fand auch in den östlichen Gebieten Polen-Litauens Verwendung.
Seit 1550 war die Berdysch markantes Erkennungsmerkmal der von Iwan dem Schrecklichen eingeführten russischen Palastgarde, der Strelizen.
Die mit Feuerwaffen ausgestatteten Musketiere benutzen die Berdysch als Hieb- und Stichwaffe im Nahkampf sowie als Ablage und Zielhilfe für die Muskete. Die Berdysch wurden bis Anfang des 18. Jahrhunderts als Zweitwaffe der Schützen und als zeremonielle Paradewaffe verwendet.
Vereinfachender Weise wird im Deutschen oft der Begriff Hellebarde als Übersetzung für Berdysch gewählt, obwohl sie in ihrer Form eher mit der Glefe übereinstimmt.
- Die Hellebarde ist eine Hieb- und Stoßwaffe, die zu den Stangenwaffen des Fußvolks gezählt wird. Sie wurde vorwiegend im 14. bis 16. Jahrhundert verwendet. Der Vorläufer dieser Waffe hieß im Deutschen Roßschinder. Aus diesem entstanden zwei neue Waffen: Die Glefe und die Halmbarte.
Der Name Halmbarte wurde abgeleitet von dem germanischen Wort Halm für Stange und Barte für Beil. Daraus entstand im 16. Jahrhundert das Wort Hellebarde. Andere Bezeichnungen sind Helmbarte oder Halbarte. Unter Militärhistorikern sind die Bezeichnungen Halmbarte, Halbarte und Helmbarte für die von etwa 1470 bis 1530 vor allem von Schweizern und deutschen Landsknechten als Kriegswaffen verwendeten Stangenwaffen gebräuchlich.
Der Begriff Hellebarde bezieht sich dann auf die weniger massiv konstruierten, oft reich verzierten Ordonnanzwaffen u. a. der Palastgarden. Die deutsche Bezeichnung ging als Lehnwort in andere Sprachen ein: in das Französische als Hallebarde, ins Englische als Halberd oder in das Italienische als Allabarda.
Die Frühformen der Hellebarden entstanden im 13. Jahrhundert in Süddeutschland aus einer Verbindung des militärisch eingesetzten Speeres und einem sichelähnlichen Werkzeug für die Arbeit auf dem Acker; Haumesser ist eine passende Bezeichnung. Dieses Werkzeug sieht heute noch so aus wie vor 800 Jahren.
Montierte man dieses Werkzeug auf einen Schaft, hatte man eine Waffe, die im Frühmittelalter als Stangenbeil oder auch Breschenmesser bekannt war. Natürlich war diese Waffe einfach nur ein Gartenmesser an einem langen Stecken, als um ca. 1300 eine Verbindung mit dem Speer aufkam.
Die Hellebarde erreichte um 1470 die Spitze ihrer Effektivität. Besonders effektiv wurde sie im Masseneinsatz des Fußvolks durch Schweizer und Hussiten eingesetzt. Im 16. Jahrhundert war sie in der Bewaffnung deutscher Städte weit verbreitet („Nachtwächterspieß“).
Im 16. Jahrhundert wurde die Rüstung wegen des zunehmenden Einsatzes von Schusswaffen zurückgedrängt. Der Einsatz der Hellebarde als Stoßwaffe mit verlängerter Stoßklinge überwog, bis sie schließlich durch die Pike verdrängt wurde.Nach 1525 wurde sie sehr schnell zu einer mehr dekorativen als effektiven Ordonnanzwaffe herabgesetzt.
Die Hellebarden der Zeit von Elizabeth I. waren kunstvoll gearbeitet, aber zum Kampf zu unhandlich. Tatsächlich trugen sie nur noch zur repräsentativen Erscheinung der Gardisten bei. Die Hellebarde hat eine breite („Beil“, „Barte“) und eine kurze Klinge („Haken“) und am Ende eine Stoßklinge.
Der meist 1½ bis 2 Meter lange hölzerne Schaft (Halm, Helm) besaß oft einen mehreckigen Querschnitt oder Lederwicklungen, um beim Hieb das Wegdrehen der Waffe in der Hand zu vermeiden. Der Übergangsbereich zwischen Klinge und Schaft wurde seitlich mit Schaftfedern aus Metall verstärkt.
Es wurde eher selten zugeschlagen. Das Kämpfen mit der Hellebarde ist ein ständiges Stechen und Reißen. Der große Vorteil hierbei ist: Greift man den Gegner mit einem Stich an und er wehrt diesen ab, so befinden sich der Haken und das Beil hinter der gegnerischen Parade und so konnte von hinten in den Hals, den Rücken oder ins Bein gestochen werden.
Sollte dies nicht gelingen, reichte die Reißbewegung aus, um seinen Gegner aus dem Gleichgewicht zu bringen, und die Spitze befand sich gleich wieder vor dem Gegner.
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- Der Haken wurde außerdem genutzt, um Reiter vom Pferd zu ziehen. Beil oder Haken konnte dann zum Durchschlagen der Rüstung dienen.
Besonders geeignet waren die meist scharfkantigen Rückseiten von Beilklinge und Haken, um die verletzlichen und kaum durch Rüstungsteile zu schützenden Beinsehnen der Pferde zu attackieren. Die Stoßspitze konnte ähnlich wie der Spieß in geschlossenen Formationen oder im Einzelkampf eingesetzt werden.
Der Schlagdorn der Hellebarde (hinter dem Beil) wurde zum Einschlagen des gegnerischen Helms und/oder Schädels eingesetzt. Er ist, richtig eingesetzt, extrem panzerbrechend.
- Eine Partisane ist eine Form der Hellebarde und zählt somit zu den Stangenwaffen. Die Partisane ist eine Stoßwaffe. Die Partisane ist ca. 1,8 m lang, der Schaft besteht aus einem stabilen Holz und trägt einen aus einem Stück geschmiedeten Aufsatz.
Der Aufsatz besteht aus einer breiten, symmetrischen, doppelschneidigen, spitz zulaufenden Mittelklinge sowie zwei gebogenen Seitenklingen. Die Seitenklingen sind weniger wuchtig als die Mittelklinge und erinnern der Form nach an einen liegenden Halbmond aus dem ein kurzes Schwert (die Mittelklinge) ragt.
Mit den beiden Seitenklingen ist es bei geschickter Anwendung möglich, den Gegner zu entwaffnen bzw. seine Waffe einzuklemmen. Zusätzlich verhindern die beiden Seitenklingen das zu tiefe Eindringen der Partisane in den Gegner, was das anschließende Herausziehen der Waffe erleichtert. Der stabile und wuchtige Aufsatz ermöglicht es dem Anwender, leichte bis mittlere Rüstungen zu durchdringen.
- Die Kuse (Herkunft des Wortes ungesichert, auch Stangenmesser oder Gassenschneider genannt) ist eine spätmittelalterliche Stangenwaffe mit den ungefähren Dimensionen einer Hellebarde. Ihr Schaft ist ca. 2,5 Meter lang, und ihre Klinge hat eine andere Form als die Hellebarde.
Die Klinge ist einschneidig, konkav und hat etwa die Form einer Mondsichel, mit einer Länge von etwa 40 bis 50 cm.
Die Kuse besitzt keinerlei zusätzliche Klingen, Dorne und dergleichen. Sie benötigt so etwas auch nicht, denn aufgrund ihrer Form kann die Hauptklinge selber als Parierelement und Klingenfänger dienen. Verbreitet war sie im Spätmittelalter in Italien und Frankreich. In Bayern diente sie noch bis zum Ende der Monarchie 1918 als Paradewaffe.
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